Das Gogericht auf dem Desum

Auf dieser Gogerichtsstätte wurde, urkundlich belegt bis ins 17. Jahrhundert, unter freiem Himmel die Landesgerichsbarkeit für die ehemaligen Ämter Cloppenburg und Vechta im heutigen Oldenburger Münsterland ausgeübt.
Das Desum-Gericht war ein bedeutendes Gericht des Mittelalters, vergleichbar mit dem friesischen Upstalsboom.
Die Gerichtsstätte befand sich auf einer südlich vom Emsteker Esch gelegenen bewaldeten Anhöhe, die an höchster Stelle einen kleinen, ebenen Platz freigab.

Diese erhöhte Örtlichkeit erhielt die Flurbezeichnung „Der Desum“ und lag am Kreuzungspunkt mehrerer wichtiger, uralter Wege, von denen einige schon nicht mehr vorhanden sind.

Der „Hohe Weg“ von Visbek nach Emstek und der „Herzog-Erich-Weg“, auch „Reuterweg“ genannt, der als Handelsweg von der Weser zu den Niederlanden führte, erschlossen zusammen mit anderen Wegen die Gerichtsstätte.

Der Name „Go“ steht für Dorfschaftsverbände im ehemals sächsischen Stammesgebiet, dem Raum zwischen Rhein und Elbe. Die Größe der Dorfschaftsverbände war unterschiedlich. Sie umfassten 20 bis 40 Dörfer zu durchschnittlich etwa je 4 bis 6 Höfen. Die erste bekannte urkundliche Erwähnung des Desumgerichts datiert vom 25.01.1322.

Hierin wird vom Erwerb des Gerichtes für das Bischöflich Münstersche Amt Vechta durch die Drosten Hermann von Sutholte und Johann von Dinklage berichtet, mit den Zuständigkeiten für die sechs Pfarreien Lutten, Langförden mit Oythe, Cappeln, Krapendorf-Kloppenburg mit Garrel, Friesoythe mit Altenoythe und Barßel und Molbergen mit Markhausen.

Ursprünglich war der Desum der Ort des Things, der Volksversammlung mit Gerichtsbarkeit für den ganzen Lerigau. Anfänglich war auch das altsächsische Gogericht auf dem Desum das Gogericht des ganzen Lerigaus.

Im Jahr 1652 soll das Gogericht nach Vechta verlegt worden sein und nur noch dort getagt haben.

Im Jahr 1803 endet die weltliche Herrschaft des Fürstbischofs von Münster. Durch den Reichsdeputationshauptschluss von Regensburg kommen die heutigen Landkreise Cloppenburg und Vechta an den Herzog von Oldenburg. Das Gogericht auf dem Desum wird durch die Herzoglich-Oldenburgischen Gerichte ersetzt

Erstmalig wurde 1905 vom „Oldenburger Verein für Altertumskunde und Landesgeschichte“ auf dem Desum ein Gedenkstein errichtet. Ein Flurbereinigungsverfahren sowie der Bau der Ortsumgehung führten wiederholt zu Versetzungen der Gedenkstätte. Heute erinnern gleich zwei Initiativen an die Desum-Gogerichtsstätte: Der „Heimatbund für das Oldenburger Münsterland“ mit der Gemeinde Emstek und den Kreisen Cloppenburg und Vechta sowie die Interessengemeinschaft „Altes Gogericht auf dem Desum.

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